Meinung

Kaufen wir jetzt jeden Scheiß?

Warum manche „Fans“ die Freiburger Kontinuität nicht kapieren

Servus! Lasst uns mal Tacheles reden über ein Phänomen, das mir in letzter Zeit immer häufiger die Zornröte ins Gesicht treibt, wenn ich mich in den sozialen Netzwerken oder Fan-Foren herumtreibe.

Sobald das Transferfenster öffnet und der Sport-Club mit irgendeinem Spieler in Verbindung gebracht wird, der nicht gerade die Champions League im Alleingang gewonnen hat, kriechen sie aus ihren Löchern. Da liest man dann Sätze wie: „Kaufen wir jetzt jeden Scheiß??“ oder „Der hat dort kaum gespielt, was wollen wir mit dem?“

Bei solchen Aussagen frage ich mich ernsthaft: In welchem Film seid ihr eigentlich die letzten 30 Jahre gelaufen? Habt ihr überhaupt irgendwas von dem verstanden, was unseren Verein so verdammt erfolgreich und besonders macht?

Das Freiburger Erfolgsrezept heißt Geduld, nicht Konsum

Wer so arrogant über potenzielle Neuzugänge urteilt, verwechselt den SC Freiburg mit einem seelenlosen Plastikklub aus der Retorte oder einem mit Millionen vollgepumpten Großstadtverein. Im heutigen Fußballgeschäft wird alles immer glatter, schneller und oberflächlicher. Spieler werden wie Ware behandelt – und von manchen Konsumenten auf der Tribüne leider auch so gesehen.

Aber beim Sport-Club ticken die Uhren anders. Das Zauberwort, das uns seit Jahrzehnten in der Bundesliga hält, heißt Kontinuität.

Wir waren noch nie der Verein, der fertige Stars im obersten Regal einkauft. Unsere Stärke war und ist es, strategisch zu denken und Werten treu zu bleiben. Wir holen Spieler, die woanders vielleicht auf dem Abstellgleis standen, die als „gescheitert“ galten oder die schlicht unter dem Radar fliegen. Und was passiert hier? Sie kommen in ein funktionierendes, stabiles Gefüge. Sie werden aufgebaut, sie bekommen Vertrauen, sie bekommen Zeit. Und plötzlich blühen sie auf und werden zu Leistungsträgern. Das ist kein Zufall, das ist die logische Folge jahrelanger, ruhiger Arbeit.

Es geht um Menschen, verdammt noch mal!

Was mich bei dieser Social-Media-Mentalität am meisten ankotzt, ist der völlige Mangel an Respekt. Wir reden hier über Menschen, nicht über eine Reihe von Pixeln im Managerspiel auf der Konsole. Wer potenzielle Spieler unseres Vereins vorab als „Scheiß“ betitelt, hat sich als SC-Fan im Grunde schon selbst disqualifiziert.

Zum SC Freiburg zu stehen, bedeutet zu 1000 % hinter dem Freiburger Weg zu stehen: Anstand, Demut und der Fokus auf das große Ganze. Taktiktafeln und Marktwerte sind schön und gut, aber die Seele unseres Vereins lebt davon, dass wir eben nicht jeden ungeduldigen Trend mitmachen und jeden Spieler sofort fallen lassen, wenn es mal nicht läuft.

Die Kehrseite des Erfolgs

Machen wir uns nichts vor: Die großartigen Erfolge der letzten Jahre, die Reisen durch Europa und die Spiele in den großen Stadien haben leider auch eine neue Art von Publikum angelockt. Erfolgsfans, die plötzlich erwarten, dass wir jedes Jahr die Champions League stürmen und dafür im Transferfenster wild mit den Scheinen wedeln. Diese Typen kommen, wenn es gut läuft, und sie verpissen sich wieder, wenn es mal eng wird.

In unserer Kurve brauchen wir diese Arroganz und diese künstliche Erwartungshaltung nicht.

An alle „Udos“ da draußen, die bei jedem Gerücht den Untergang des Abendlandes herbeireden: Überlasst das Scouting mal lieber den Experten im Verein. Die werden dafür bezahlt, die werden am Erfolg gemessen und die haben über Jahrzehnte bewiesen, dass sie es verdammt noch mal können. Wer das Prinzip der Freiburger Kontinuität nicht begriffen hat, sollte vielleicht einfach mal gepflegt den Mund halten.

Der SCF-Blickwinkel bleibt dabei: Direkt, unabhängig und immer mit dem Blick für das, was uns im Kern ausmacht. Die Kurve lebt vom Zusammenhalt – und nicht vom ungeduldigen Gemecker im Netz.

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