Meinung · Vereinsnews
Bleibt der SC trotz der Millionen derselbe Verein?
Rund 70 Millionen Euro soll Aston Villa für Johan Manzambi zahlen – so berichten es übereinstimmend mehrere Medien.
Seitdem dreht sich fast jede Diskussion um dieselbe Frage: Welche Spieler kann der SC Freiburg jetzt verpflichten? Namen werden gehandelt, Wunschlisten erstellt und Transferausgaben gegeneinander aufgerechnet. Das ist verständlich. Ein solcher Transfer verändert schließlich die Möglichkeiten eines Vereins.
Die spannendere Frage beginnt allerdings erst danach.
Der SC muss jetzt nicht plötzlich etwas anderes werden, nur weil er mehr Geld hat.
Mit größeren finanziellen Möglichkeiten werden Entscheidungen nämlich nicht automatisch einfacher. Im Gegenteil. Wer mehr Geld zur Verfügung hat, steht schneller unter Druck, es auch sichtbar einzusetzen. Plötzlich wirken vernünftige Entscheidungen auf manche beinahe wie verpasste Chancen.
Der Fußball kennt genügend Beispiele dafür. Union Berlin oder Schalke 04 haben auf ganz unterschiedliche Weise erlebt, wie schnell aus neuen Möglichkeiten neue Erwartungen werden. Viel Geld ersetzt eben keine klugen Entscheidungen.
Man könnte das Geld natürlich auch möglichst schnell wieder ausgeben. Das hätte zumindest einen Vorteil: Der Transfer-Sommer wäre um ein paar Tage länger Gesprächsthema. Ob der SC damit in fünf Jahren besser dastünde, ist eine ganz andere Frage.
Und genau da beginnt die eigentliche Herausforderung.
Mit einem außergewöhnlichen Transfererlös verändern sich nicht nur die Möglichkeiten eines Vereins. Auch die Erwartungen verändern sich. Jeder größere Transfer wird plötzlich daran gemessen, ob er den Verein sofort auf das nächste Niveau hebt. Jede vorsichtige Entscheidung wirkt kleiner als sie tatsächlich ist. Die eigentliche Bewährungsprobe besteht deshalb nicht darin zu zeigen, dass der SC Geld ausgeben kann. Sondern darin zu erkennen, wann eine Ausgabe den Verein wirklich weiterbringt.
Beim SC war die ruhigere Entscheidung oft die mutigere. Nicht, weil sie weniger Risiko bedeutete. Sondern weil sie akzeptierte, dass sich Erfolg manchmal erst Jahre später auszahlt. Genau deshalb wäre es fast schon überraschend, wenn ausgerechnet ein Rekordtransfer diese Denkweise auf den Kopf stellen würde.
Vielleicht suchen wir gerade alle an der falschen Stelle nach den größten Gewinnern dieses Transfers.
Natürlich lässt sich eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit nicht einfach mit Geld bestellen. Sonst hätten einige Vereine längst eine ganze Nationalmannschaft im Keller herangezüchtet. Trotzdem entstehen langfristige Erfolge oft dort, wo sie zunächst kaum jemand wahrnimmt: in einer besseren Infrastruktur, in zusätzlichen Scouts, in modernen Trainingsbedingungen oder in der Arbeit mit den nächsten Talenten.
Vielleicht profitiert irgendwann ein Jugendspieler von Möglichkeiten, die heute durch diesen Transfer entstehen. Vielleicht wird ein Trainer eingestellt, dessen Arbeit erst Jahre später sichtbar wird. Vielleicht sorgt eine Entscheidung im Hintergrund dafür, dass der SC auch in zehn Jahren noch das bleibt, was ihn seit Jahrzehnten auszeichnet.
Die wichtigste Entscheidung rund um diesen Transfer ist am Ende genau die, über die später niemand mehr spricht.



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